[Biking] – Israel 2019

[Tag 5] Odem Forest – Givat Yoav

3. Dezember 2019: 67 Kilometer, 570 Höhenmeter von Odem Forest entlang des Golans bis Givat Yoav auf den Golanhöhen.

GPX-Daten

Hier die heute gefahrene Route, anschließend in Relation zur Gesamtstrecke:

Zeit in Bewegung: 3:53h
Tempodurchschnitt: ~17,2km/h
Maximalgeschwindigkeit: 56,7km/h (!!!)

Gesamtstrecke (Rot) in Relation zur heutigen Strecke (Blau)

Auch wenn es echt frostig wurde und die Temperaturen bis auf 6 Grad runtergingen, habe ich heute gut geschlafen.

Odem Campingplatz am Morgen (E-M5, 14mm, f/7.1, 1/15sec, ISO-250)

Am Campingplatz selber besuche ich noch das Palsar-7 Gedenkstätte, zu der ich bei meinem Besuch 2014 schon was geschrieben habe.

In der Früh mache ich mich entspannt ans Zusammenpacken, denn bis zum ersten Stopp des Tages ist es nicht weit.

Erster Blick auf den Berg Bental (E-M5, 20mm, f/7.1, 1/320sec, ISO-100)
(E-M5, 23mm, f/7.1, 1/400sec, ISO-100)

Kaum habe ich mein Rad gesattelt, sind die 5 Kilometer bis zum Dörfchen Merom Golan bereits absolviert. Dort wartet dann jedoch noch eine Herausforderung auf mich: Ich will nämlich auf den Berg Bental, und somit warten doch wieder knappe 200 Höhenmeter auf mich. Und die haben es, trotz Asphaltstraße, wirklich in sich.

Das wird ein richtig steiler Aufstieg! (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/320sec, ISO-100)

Es geht steiler als gestern bergauf. So muss ich etwa 1/3 der Strecke schieben, selbst im ersten Gang war das für mich nicht mehr zu meistern. Dafür ist die Befriedigung, oben angekommen zu sein, umso größer.

Finde ich immer wieder: Die Markierungen des Golan-Trails. Hier bin ich auch 2014 hochgekraxelt, mit dem Rucksack ging es aber leichter als mit dem Rad (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/320sec, ISO-100)
Coffee Annan (DSC-HX50, 8.31mm, f/6.3, 1/400sec, ISO-80)

Mount Bental hat eine wunderbare Aussicht in alle Richtungen und liegt nah an der syrischen Grenze, die die Ostgrenze der Golanhöhen darstellt. Von hier oben sieht man die Grenzanlagen, die patrouillierenden UN-Friedenstruppen, aber auch die restlichen Golanhöhen und zurück bis ins Hula-Tal. Ich war bereits 2014 hier, damals habe ich bei meiner Wanderung entlang der syrischen Grenze ab und an Feuergefechte gehört und Rauchsäulen aufsteigen gesehen. Heute ist die Situation ruhiger, aber auch hier waren die letzten Jahre ereignisreich: Die syrische Grenzregion wurde immer mal wieder von anderen Gruppen eingenommen, mal herrschten die Rebellen, mal die Regierungstruppen und natürlich macht sich besonders in Israel die Angst davor breit, das Hisbollah und ihre Unterstützer einen Fuβ in die Tür kriegen, in direkter Nähe zu Israel.

Panorama nach Syrien (E-M5, 25mm, f/7.1, 1/320sec, ISO-100)
Ein Klick auf das Panorama vergrößert dieses!
Blick auf die Grenzanlage (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/400sec, ISO-100)
Blick zurück auf den Odem-Wald, wo ich heute übernachtet habe. (DSC-HX50, 44.77mm, f/6.3, 1/400sec, ISO-80)
Militäranlage auf dem benachbarten Berg (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/640sec, ISO-100)

Den Ausblick kenne ich wie gesagt schon, schön war für mich also das oben angesiedelte Café Coffee Anan (Ein Wortwitz, basierend auf Kofi Annan, der vor seiner Zeit als UN Generalsekretär hier Leiter der UN-Friedenskräfte war). Dort gibt es für mich die Möglichkeit windgeschützt zu sitzen, denn es bläst immer noch ein eisiger Wind, ich komme zum Blogschreiben und entspannen. Zudem gönne ich mir eine gigantische Pizza, für 12 Euro kein Schnäppchen, aber mit so viel Mozzarella belegt, dass es auf alle Fälle als Mittagessen ausreicht.

Aktiver Diebstahlschutz für mein Fahrrad (E-M5, 25mm, f/7.1, 1/250sec, ISO-100)
Das ist eine gelungene Abwechslung zu Pita und Hummus (E-M5, 14mm, f/7.1, 1/20sec, ISO-100)

Anschließend geht der wilde Ritt wieder bergab.

Blick zurück auf den Berg Bental (E-M5, 30mm, f/7.1, 1/400sec, ISO-100)
Mehrmals komme ich heute an Panzer-Wracks vorbei (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/320sec, ISO-100)
Sehr nah an der syrischen Grenze (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/200sec, ISO-100)

Der Rest des Nachmittags bleibt fantastisch: ich habe bis zu meiner Übernachtungsmöglichkeit 60 Kilometer vor mir, der überwiegende Großteil davon Bergab. Die Übernachtung liegt auf 300m, am Berg Bental bin ich auf 1170m, da ist also ganz schön viel Strecke nach unten zu machen. Nun, mir soll es nach den beiden vergangenen, sehr anstrengenden Tagen nur Recht sein. Ich kann es heute Laufen lassen, die Landstraße ist in diesen Teilen des Golans auch nicht so dicht befahren wie gestern. Mit Musik im Ohr und so laut singend das selbst die Kühe schmerzverzerrt dreinblicken, geht es in beeindruckendem Tempo voran. Selbst der Wind pustet mir heute mit Kraft in den Rücken, so könnte es öfters sein.

Nachdem ich es gestern auf den Golan geschafft habe, durchkreuze ich heute die ganzen Golanhöhen, es ist wirklich ein winziges Fleckchen Erde. Umso surrealer erscheint mir hier die Situation und das “Gefühl”, welches den Tag über vorherrscht. Ich beschreibe es vielleicht am besten als ein Gebiet im Kriegszustand, das aber gerade Mittagspause oder Mittagsschlaf macht.

Klar, mit Syrien ist man immer noch im Kriegszustand, da herrscht nur Waffenruhe. Es gibt also eine immer bemannte Grenze, dauernd überholen mich Militärfahrzeuge voller Soldat*innen, fette Hummer-Jeeps mit Maschinengewehren. Dann ist gefühlt auf jedem Berg ein Horchposten der israelischen Armee installiert. Die Felder links und rechts des Weges sind abgezäunt und mit Warnschildern versehen, da sich noch zahlreiche vergrabene syrische Minen darauf befinden. Auch komme heute an dutzenden Mahnmalen vorbei, die an gefallene Soldat*innen oder bestimmte Truppenteile erinnern, welche entweder im 67er Krieg (Sechstagekrieg) oder aber beim Yom Kippur Krieg 1973 ums Leben gekommen sind. Wie gesagt, eine komische Situation, dennoch bleibt das Land wunderschön und ich genieße die Ausblicke in alle Richtungen.

Gedenkort (E-M5, 14mm, f/7.1, 1/400sec, ISO-100)
Blick nach Syrien, von wo die Panzerarmee angerollt kam 1973 (E-M5, 14mm, f/7.1, 1/400sec, ISO-100)
Hier die gestern schon beschriebenen Luftschutzvorrichtungen. Jeder Abwassergraben dient als möglicher Schutz (E-M5, 31mm, f/7.1, 1/320sec, ISO-100)
Abseits der Straße sind noch allerlei Minenfelder (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/125sec, ISO-100)
Das Ende der Welt? (E-M5, 45mm, f/7.1, 1/500sec, ISO-100)
Doch nicht das Ende, aber es geht angenehm bergab (E-M5, 43mm, f/9, 1/200sec, ISO-100)

Auch komme ich an den Windrädern vorbei, die mir bereits 2014 auf Wanderung so gut gefallen haben.

Die Windräder fand ich schon auf meiner Wanderung sehr fotogen (E-M5, 29mm, f/7.1, 1/250sec, ISO-100)
Golanhöhen-Panorama (E-M5, 14mm, f/9, 1/80sec, ISO-100)
Ein Klick auf das Panorama vergrößert dieses!
Eine faszinierende Geschichte: Tel Saki (E-M5, 45mm, f/9, 1/160sec, ISO-100)

Unterwegs komme ich an Tel Saki vorbei, wo sich im Yom Kippur Krieg unglaubliches abspielte. In der Befestigungsanlage hielten 60 Fallschirmjäger und 45 Panzer dem syrischen Angriff stand. Aus Syrien sahen sie sich 11.000 Soldaten und 900 Panzern gegenüber. Nachdem ihnen die Munition ausging und zwei Rettungsversuche erfolglos blieben, konnten in einem dritten Rettungsversuch noch ein paar lebende, aber verwundete Soldaten befreit werden. Ein Ort mit viel Geschichte.

Tel-Saki (E-M5, 45mm, f/9, 1/200sec, ISO-100)
(E-M5, 30mm, f/9, 1/100sec, ISO-100)
Ankunft in Givat Yoav (E-M5, 28mm, f/9, 1/100sec, ISO-100)

Zum Abend habe ich es bis Givat Yoav geschafft. In diesem kleinen Dörfchen gibt es einen Campingplatz mit mongolischen Jurten. Den Platz hatte ich bereits bei meinem ersten Israeltrip 2013 entdeckt und war seitdem bei jedem Besuch im Land wieder hier. Heute soll keine Ausnahme sein, ich habe mich für eine Nacht eingebucht. Und wie jedes Mal bisher bin ich der einzige Gast auf dem Gelände und habe eine Jurte wieder ganz für mich. Fantastisch, da kommen Erinnerungen hoch.

(E-M5, 45mm, f/9, 1/320sec, ISO-100)
Bilder vom Aufbau des Campingplatzes (ZTE A2017G, 4.216mm, f/1.8, 1/20sec, ISO-510)

Nebenan wird aber ein weiteres Jurten-Camping gebaut, dies scheint wohl die Konkurrenz zu sein.

Den Abend verbringe ich damit mein Rad auf Vordermann zu bringen, da ist nach all dem Sand und Dreck der letzten Tage doch ein bisschen Pflege und Öl notwendig. Ansonsten koche ich mir ein leckeres Abendessen (Ist schon einfacher, wenn man das Gemüse sehen kann, welches man gerade kleinschneidet und nicht wie die letzten Tage im Dunkeln darauf hoffen muss keinen Finger abzutrennen.) Dafür muss ich allerdings meinen eigenen Kochtopf nutzen. In der Küche finden sich nämlich nur Töpfe, mit denen man eine mittelgroße Schulklasse satt kriegen würde, da würden aller Voraussicht nach meine Nudeln nicht mal den Topfboden bedecken.

Abendessen (E-M5, 14mm, f/4.5, 1/3sec, ISO-500)

Und dann bleibt ganz viel Zeit zum Entspannen in der Jurte.

Ich breite mich ganz schön aus (E-M5, 14mm, f/4.5, 1/5sec, ISO-500)
(E-M5, 14mm, f/4.5, 1/5sec, ISO-500)

Morgen geht es weiter Bergab, erst bis zum See Genezareth und dann weiter bis in die Westbank/Judea und Samaria /Palästina/Palästinensischen Autonomiegebiete/Westjordanland (ich bin noch unentschieden, welche Begrifflichkeit ich verwenden könnte. Jede*n damit zufrieden zu stellen wird wohl nicht funktionieren).

Ich bin froh über den heute etwas entspannteren Tag und hoffe dass es morgen erfolgreich weiter geht.

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