Die Rechnung folgt auf dem Fuße. Um 3 Uhr werde ich wach… *platt – platt – platt* schlägt der Regen aufs Zeltdach. Hmm, erstmal abtasten, Schlafsack trocken? – Yo!… *denkpause* Rucksack im Außenzelt trocken? – Yo so einigermaßen! *denkpause* Wie spät ist es eigentlich? – 3:10 Uhr laut Handy… *Denkpause* Na, dann kann ich ja weiterschlafen… *denkpause*
VERDAMMT, die Schuhe sind draußen noch aufm Baum!!!

Wie ein geölter Blitz schieße ich aus dem Zelt und rette die Schuhe, auf die ich keine Lust im Innenzelt hatte, vom Baum runter. Jetzt habe ich den Mief doch noch im Innenzelt, na toll!

Als ich um 8 aufstehe ist immer noch alles Grau in Grau, und voll mit tiefhängenden Wolken.


Großer Unterschied zu gestern.

Beide Trail Angels sind schon zur Arbeit gegangen, und so mache ich mich langsam ans zusammenpacken und breche dann gegen 9 Uhr auf. Die ersten 2km führen weiter die Landstraße entlang. Kaum habe ich das Örtchen verlassen, tröpfelt es schon wieder und keine 2min steh ich im strömenden Regen. Schnell reiße ich die Regenjacke aus dem Rucksack (wenigstens habe ich die jetzt nicht die ganze Zeit umsonst mitgeschleppt! 😀 ) und ziehe die Regenhülle über den Rucksack!


Nass, kalt, igitt! Fernsicht gleich 0.

Nach den 2km biegt man nach Osten auf einen Feldweg ab. Hier ist es wirklich richtig matschig, der Regen kommt eher horizontal. Die Hose ist bereits komplett durchnässt, aber die Regenjacke schlägt sich tapfer. Dann komme ich irgendwie an ein paar Bäumen vorbei, und bevor ich weiß was Sache ist, hört man ein schönes *ratsch* und in der Deuter-Regenhülle ist ein ca. 20cm langer Riss. Ich fluche bitterböse, das ist das erste mal das die Regenhülle in Benutzung ist und sie hat nicht einmal eine halbe Stunde überlebt. Zudem war der Rucksack nicht rappelvoll, die Hülle also nicht auf Zugbelastung gespannt und bei der Kontrolle der 2 Äste, die vermutlich die Übeltäter waren finde ich nicht mal Dornen. Hätte ja nicht gedacht, dass die so empfindlich ist und werde mal schauen was der Deuter-Service dazu sagt.

Wenigstens ist der Riss am Unteren Drittel, da kann ein wenig Wasser eindringen ohne den Rucksack zu fluten. Weiter geht es über den Weg, welcher leider extrem matschig geworden ist. Ich finde überhaupt keine “Traktion” mehr auf dem Boden und bin nur froh, dass der Weg relativ ebenmäßig verläuft. Die Schuhe gewinnen auch je ca. 1kg Matsch-Ballast und so wird das laufen doch zur Tortur.

Doch nach ca. 2 Stunden klart der Himmel ein wenig auf, der Regen hört auf und es geht um einiges gemütlicher voran. Da ich jetzt auch noch vom Feldweg abbiege und durch wunderschöne Blumenwiesen laufe hilft zwar nicht der Hose beim Trocknen, bietet aber eindeutig mehr fürs Auge.

Zur Mittagszeit erreiche ich die Ruinen des verlassenen, ehemals syrischen, Dorfes “Faradge“. Kurz streife ich durch die Gebäude, betrachte die Ruinen der Moschee und schaue mir die anderen eingestürzten Gebäude an.

Ein paar Kekse später ziehe ich auch endlich den Pulli aus und weiter geht’s.

Zwischenzeitlich liegt die Wegführung auf einem Art Damm, welcher durch die Landschaft läuft. Da aber alles noch recht nass ist und der Weg auf dem Damm von Steinen und Schrägen übersät, laufe ich doch lieber direkt neben dem Damm.

Heute hat man kein beeindruckendes Fernpanorama, sieht dafür aber die tollsten Blumen und auch einiges an Tieren. Sehr zahlreich kommen schwarz-orangene Raupen in den Wiesen vor, deutlich seltener sieht man ein paar Gazellen durchs hohe Gras streifen. Diese sind aber so was von flink und scheu, bevor der Gedanke “Ich könnte jetzt die Kamera auspacken” das Gehirn erreicht hat, sind sie bereits davon gesprungen.


Deswegen als Fotobeweis nur die Raupen.

Auf einer Wiese verliere ich den Weg, da aber keine Minenwarnschilder angebracht sind, quere ich das Feld einfach so. In der Mitte läuft nur leider ein kleines Bächlein durch, und natürlich schaffe ich es reinzufallen. 😉  Jetzt war die Hose grade trocken und schon geht es mit einem nassen Schuh und Hosenbein weiter. 😀 Da es jetzt durchs hohe Gras geht, welches mit recht vielen verdeckten Steinen gefüllt ist, kommen jetzt auch wieder die Stöcke zum Einsatz. Zahlreiche Wegmarkierungen sind vom hohen Frühlingsgras ein wenig verdeckt aber mit ein bisschen schauen findet man den Weg schon!


Hier hätte ich mich nicht verlaufen dürfen.


An vielen Stellen geht es auf breiten Wegen gut voran.

Dann kommt auch das Daliot Wasserreservoir in den Blick, da kann der Campingplatz nicht fern sein.


Das Daliot-Reservoir


Piekst schön!


Auf dem Rand des Sees geht es weiter.


Das Waldstück wo der Campingplatz drin liegt.

Man umrundet auf dem Trail das Reservoir und kommt dann ein bisschen Abseits zu einem Waldstück mit Picknickbänken, Parkplatz und einigen Freiflächen zum Zeltaufstellen.

Schnell den Rucksack hingepfeffert und dann geht es an den Zeltaufbau. Als ich ankomme ist es richtig windig und so beschließe ich das Zelt in einen der aufgebauten Steinkreise reinzusetzen um doch ein wenig Windschutz zu haben. Auch wenn dies zu Lasten der Eingangstüren geht, welche ein wenig eingedrückt werden, funktioniert der Aufbau einwandfrei.

Ein einsamer Jeep steht noch im Parkplatzgelände und so gehe ich doch mal kurz hallo sagen, als zwei junge Männer zurück zu ihrem Wagen kommen. Ich rede kurz mit ihnen und freu mich zu hören, dass der Wind bald nachlassen soll und kein weiterer Regen zu erwarten ist. Sie fragen (wie so viele andere Israelis auf dem Trail) mich gleich nach meinen Wasservorräten. Als ich erwidere, dass ein Liter mehr nicht schaden könnte, zeigt er auf den 20L Kanister auf der Rückseite des Jeeps und ich darf mich bedienen. Sehr zuvorkommend!

Alle Klamotten habe ich mal zum Trocknen ausgelegt, auch der Schlafsack darf mal endlich richtig auslüften!


Alles wird getrocknet.


Der Wassereinbruch und Regen hat heute Spuren hinterlassen.

Abends gibt es dann die doppelte Portion Kartoffelsnack (ich schleppe zwar Nudeln und Couscous mit mir rum, habe aber keine Lust darauf und vernichte damit jeden Abend nur die leichtesten Sachen in meinem Essensvorrat – so was von taktisch unklug 😉 ), viel Tee und sogar eine Orange, die ich seit Tel-Aviv mit mir rumschleppe.


Abendstimmung am Daliot Camping.

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