Der letzte “Full-Time-Wandertag” in diesem Bericht…

Nachts hört der Wind schnell auf und obwohl ich allein auf dem Campingplatz bin, schlafe ich super. Heute soll mein letzter Trekking-Tag sein, da ich am 1.4. mit einem Freund in Tel Aviv verabredet bin und laut den Berichten die letzten 25km auch nicht so wahnsinnig spannend sind (von schönen Ausblicken über den See Genezareth mal abgesehen).

Da es auch nicht so weit gehen soll, kann ich erstmal gemütlich bis 8 Uhr ausschlafen, dann wird alles zusammengepackt und um 9 Uhr bin ich abmarschbereit. Die ersten Teile des Weges verlaufen durch Militärtrainingsgelände, genau wie große Teile des gestrigen Tages (das habe ich aber erst erfahren, nachdem es mir meine 2 Wasserspender am Abend erzählt haben).
Da es aber nur 3-4km sind, entscheide ich mich, dieses Gebiet einfach schnell zu durchqueren, danach soll es in einen schönen Bachlauf gehen. Teilweise läuft man auf dem Weg in den Spuren, welche Panzerketten in die feuchte Erde gedrückt haben.


Mehr Disteln


Sogar mit Balanceeinlage, der Rucksack zieht aber zu stark für meine Schwebebalkeneinlage.


Grün, grüner, am Grünsten!


Wie der Reifen wohl dahin kam?

Der Weg runter in die Schlucht, durch welcher der Bach läuft ist die ersten 8km doch recht anstrengend, da es auf schmalen Wegen an der Kante der Hänge entlangläuft. Vielerlei Disteln versüßen einem das Durchlaufen. 😀


Einstieg in die Schlucht.


Da geht es heute runter!

Zudem geht es doch manchmal recht steil bergab, meine Wanderstöcke leisten mir hier gute Dienste. Unten im Tal angekommen muss ich mich durch eine Engstelle voll mit Schilf kämpfen.

In der letzten Sekunde, bevor er zu Schaschlik verarbeitet wird, entdecke ich das ein Flußkrebs/Krabbe auf dem Stein sitzt wo ich beinahe unachtsam meinen Trekkingstock hingebohrt hätte. So sehe ich also noch eine Tierart, nachdem ich es am Vormittag erneut nicht geschafft habe, eine Gruppe Gazellen zu fotografieren.

Bald nach der Kletterstelle komme ich zu einer Brücke, die teilweise im Schatten liegt. Da es bereits halb 1 ist, entscheide ich mich für eine kurze Mittagspause im Schatten. Die Schuhe sind gerade ausgezogen, das Buch und die Kekse aus dem Rucksack gefischt, als plötzlich der Jeep vom Daliot-Parkplatz an mir vorbeiknattert und direkt neben der Brücke hält. Die zwei Israelis, welche mir gestern noch Wasser gegeben haben, grüßen freundlich und laden mich zum Frühstück/Mittagessen unten am Fluss ein. Diese nette Einladung kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so geselle ich mich zu ihnen, um ihnen bei der Zubereitung zu helfen.

Es gibt Schakschuka, ein traditionelles Frühstücksgericht aus Tomaten, Auberginen, Paprika und garniert mit einem Spiegelei. Bedanken kann ich mich wenigstens, indem ich ihnen meine Gaskartusche schenke, die werde ich heute Abend nicht mehr brauchen und vor dem Rückflug hätte ich sie eh wegwerfen müssen.

Natürlich erfahre ich allerlei über die zwei Israelis und es wird nett geschnackt und so sitze ich ca. 1std mit ihnen am Fluss. Dieser ist an dieser Stelle übrigens tief genug, dass man gut hätte drin Baden können, nach den 4 Tagen ohne Dusche wäre dies vielleicht auch empfehlenswert gewesen, jedoch weiß ich das mich heute Abend eine Dusche erwartet.

Ich packe erst zusammen und gehe weiter, als ich merke wie die Gluthitze sich langsam in einen Sonnenbrand verwandelt. Die vorherigen Tage hatte man eigentlich immer eine angenehme Brise, welche über die Golanhöhen fegte, aber heute im Tal staut sich die Hitze ganz schön. Von der Brücke geht es links einen Weg hoch, dem man einige Kilometer folgt, bevor es einige Kilometer auf diesem Weg wieder ganz in die Tiefe der Schlucht geht. Dabei sind ca. 250Hm zu überbrücken und der Weg spendet überhaupt keinen Schatten. Schlechtes Timing, dass ich das jetzt bei Sonnenhöchststand absolviere. Man hat am Rand der Schlucht einen wunderschönen Blick über das Tal, teilweise sehen ein paar Hänge eher aus wie Alpenwiesen und dabei lässt der Ausblick schon ein wenig vom tiefer gelegenen See Genezareth durchscheinen und man erkennt im Dunst sogar die Stadt Tiberias, welche am gegenüberliegenden Ufer des Sees liegt und von wo ich morgen mit dem Bus nach Tel Aviv zurückfahren werde.


Beim Abstieg


Man sieht endlich den See Genezareth!

In meiner Wegbeschreibung steht nun “jump into the stream because after that you will walk 40-60min uphill“. Rein springen tu ich nicht, aber dafür wird das T-Shirt und die Kopfbedeckung nass gemacht.


Beim Aufstieg: Sieht doch tatsächlich ein wenig aus wie Alpen oder?

Vor dem Aufstieg treffe ich auf ein nettes Rentnerpärchen, welches ich an der Brücke bereits getroffen habe und welche deswegen eine Stunde Vorsprung hatten. Gemeinsam beschließen wir den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Da ihr Englisch recht gut ist, gibt es auch allerlei zu erzählen. Der Mann Ephraim erklärt mir, wie er den Yom Kippur Krieg als Fallschirmjäger auf dem Har Meron erlebt hat und den darauffolgenden Vorstoß nach Damaskus. Als er mir erzählt, wie sie vor dem Krieg im Training alles aus einem Hubschrauber nehmen mussten, was nicht festgenietet war und dann umständlich auf den nächsten Gipfel schleppen mussten, wird mir klar, wie dieser rüstige Mann mit 72 Jahren mir davon laufen kann. 😀 Der Umstand, dass ihre Tagesrucksäcke auch 12kg weniger wiegen als mein Trekkingrucksack spielt aber hoffentlich auch mit rein.

Beide scheinen gerne und oft Wandern zu gehen, nicht umsonst ist Wandern eine Art “Nationalsport” der Israelis. Seine Frau Ahawa (hebräisch für Liebe) gibt dagegen eher den patenten Naturguide. Sie versucht mir allerlei Pflanzennamen beizubringen, erklärt mir welche Früchte essbar sind usw. Alle 3 von uns bleiben öfters stehen um die tolle Landschaft um uns herum zu fotografieren.


Ahawa und Ephraim


Fast fertig für heute!

Nach ca. 45 Minuten entspannten Wanderns erreichen wir die “Road 789” auf der sie gen Norden laufen wollen um zur Busstation zu kommen und auf derer ich nach Süden zum Örtchen “Giv’at Yoav” laufen werde. Schnell noch ein Foto von ihnen, und eins von mir (endlich ein Foto, für das ich mir keinen Stein als Stativ suchen muss 😉 ) und dann trennen sich unsere Wege.

Bis zu diesem Punkt bin ich bereits 15km gelaufen, es geht auf 15:30 Uhr zu und so beschließe ich, tatsächlich auf der Landstraße zur Stadt zu laufen und nicht dem Trail weiter zu folgen, da dieser über Stock und Stein geht und nur um den Ort herumläuft. Laut GPS Karte gibt es zwar aus dem Westen noch einen eingezeichneten Weg in den Ort, jedoch steht in meiner Internetbeschreibung das dort einige Minenfelder noch sind und bevor ich nachher 3-4km zurücklaufen muss, nehme ich lieber die langweilige Landstraße. Leider verpasse ich dadurch einen tollen Aussichtspunkt, welcher den See Genezareth überblickt und bei Sonnenuntergang die phantastischsten Ausblicke bietet. Den habe ich aber schon letztes Jahr besucht, ich hoffe ihr akzeptiert also davon ein paar ältere Bilder 😉


Alle 3 Bilder vom letzten Jahr, man sieht aber wie toll dieser Aussichtspunkt bei Sonnenuntergang sein kann!

Die Landstraße sind nochmal 6km, der Asphalt brennt noch mal richtig von unten und auch von Oben ist kein Schatten gegen die gleißende Sonne zu erwarten.


Immer gradeaus..


Wenigstens ist der Ausblick schön.

Da aber das Ende meiner Tour in absehbarer Nähe ist, geht es doch recht zügig bergauf und nach 1,5 Std. habe ich den Ortseingang erreicht.


Endlich das Ziel erreicht!

Direkt am Ortseingang ist auch gleich ein Supermarkt, wo es meine Standesgemäße “Tour-Beendigungs-Belohnung” gibt: Noch ein Eis, noch ein Eistee. (Und ich sehe schon wieder so fertig aus, diesmal fühle ich mich aber deutlich besser :-D)


Same procedure as last time…

Ich war letztes Jahr (allerdings mit dem Mietwagen) in Giv’at Yoav und habe da ein tolles “Hostel” entdeckt und habe beschlossen dort dieses Jahr meine Tour ausklingen zu lassen.


Komisch, mein Zelt ist über Nacht doch etwas gewachsen…


Und die Inneneinrichtung ist auch ein wenig luxuriöser.

In 20 Minuten streife ich durch den Ort und erreiche dann das “Hostel”. Hostel in Anführungszeichen, da es “Ghengis Khan in the Golan” heißt und von dem Besitzerehepaar 10 mongolische Jurten aufgebaut wurden, komplett mit Aircon/Heizung, Teppichen und Schaumstoffmatratzen. Jede Jurte hat Platz für 3-8 Gäste und neben jeder Jurte steht ein eigenes Dusch-/WC-Häuschen. Zudem gibt es eine große Gemeinschaftsküche, viele Sitzgelegenheiten und tolle Blumen im Garten. Mit 100 Shekel pro Nacht (ca. 20€) ist es auch gut bezahlbar und damit kann ich das Zelt heute Abend im Packsack lassen.


Ankunft bei den Jurten.


Ich gebe es zu, ein wenig Stolz schwingt mit!

Exakt wie letztes Jahr bin ich die einzige Person für die Nacht, hab also eine Jurte ganz für mich alleine. Nach einer tollen Dusche, welche aber gehörig auf dem heute erarbeiteten Sonnenbrand knallt gibt es eine Riesenportion Nudeln mit Tomaten-Thunfischsoße. In Autoreifen im Garten gibt es einen kleinen Kräutergarten voll leckerer Minze und allerlei anderen Kräutern und damit werden die Nudeln zu einem vollen Erfolg.


Ordentlicher Sonnenbrand…


Der “Kräutergarten”


Blumen im Garten…

Während ich die Wanderung Revue passieren lasse, falle ich auch schon gegen 22 Uhr todmüde auf die Matratze.

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