Um 6 bin ich wieder bei Tagesanbruch wach. Allerdings merke ich jetzt noch viel stärker als in den ersten Tagen die langsam einsetzende Entkräftung.


Der Zeltplatz mit Har Meron im Hintergrund

Bis 7.30 Uhr packe ich langsam zusammen und dann reichen selbst die 50 Stufen der Treppe um wieder zum Wasserhahn zu kommen aus, dass mir schwummrig wird. Nichtsdestotrotz gibt es ein wenig Müsli, der Wasservorrat wird wieder komplett aufgefüllt (was es heute gar nicht gebraucht hätte, da hätten auch 2L gereicht) und los gehts.
Der Tag fängt gleich mit der Besteigung des Har Meron (Berg Meron) an, zu dessen Fuße ich gecamped hatte. Mit 1.208m Höhen ist er der höchste Berg Israels innerhalb der 48er Grenzen, nur noch geschlagen durch den Har Hermon in den Golanhöhen.
Jedoch gehen die 300Hm zum Gipfel auf diesem schönen Pfad doch recht schnell und nach einer Dreiviertelstunde stehe ich an einem Aussichtspunkt. Da der Gipfel von einer Militäreinrichtung in Beschlag genommen wird, läuft man knapp unterhalb des Gipfels entlang.
Die tolle Aussicht auf den Libanon im Norden, Syrien im Nordosten, die Golanhöhen im Osten und dem Zielpunkt, dem See Genezareth im Südosten ist wirklich Atemberaubend. Auch Berg Hermon mit winziger Schneekappe ist in der Ferne zu sehen.


Der Aussichtspunkt


Alles Abwerfen und Fotos machen.


Berg Hermon in weiter Ferne mit Schneekappe.


Komplettes Panorama von Norden nach Osten.


Am höchsten Punkt der Tour


In weiter Ferne ist schon der See Genezareth zu sehen (Mitte-Rechts im Bildausschnitt)

Links im Bild der Har Meron, ganz rechts auf der Hügelkette ist die Stadt Safed, kurz unterhalb der Stadt schlage ich heute das Nachtlager auf. Wenn das Bild noch weiter nach rechts gehen würde, sähe man den See Genezareth im Osten.
Von jetzt an geht es, grob gesprochen, immer Bergab in Richtung See Genezareth. Der Feldweg vom Gipfel runter ermöglicht für die nächsten 4km ein sehr entspanntes Wandern. Zum ersten Mal auf diesem Trip ziehe ich die Ohrstöpsel aus der Tasche und laufe unter großen Gekicher zu Marc-Uwe Klings “Das Känguru-Manifest” (Absolute Lese-/Hörempfehlung!) den Weg entlang. Nur die letzten 2km sind sehr steil und über grobe, große Steine. Dies erfordert einiges an Konzentration und lässt mich ein erneutes Loblied auf meine mitgenommenen Wanderstöcke singen, wobei sie erst am darauffolgenden Tag ihre absolute Notwendigkeit beweisen sollten.

Der Weg endet am Fuße des Dorfs Meron und hier gibt es die Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Leider scheinen die Wasserleitungen komplett überirdisch zu verlaufen, selbst nach einiger Zeit kommt das Wasser immer noch mit 40-50° aus der Leitung, ich war also gar nicht so traurig, in der Früh zu viel eingepackt zu haben. Toiletten gibt es dort auch, und die Möglichkeit ein Zelt aufzuschlagen, jedoch waren die Toiletten als ich dort war verschlossen. Keine Ahnung ob das ein dauerhafter Zustand ist oder nur dem Faktor, dass es nicht Hauptsaison war, geschuldet ist.

Die Hoffnung auf ein kühles Getränk motiviert mich dazu, mich an die Straße zu stellen und zu schauen ob mich jemand mit dem Auto ins 2km entfernte Dorf mitnimmt. Dies braucht unerwartet viel Zeit, beim Hitchhiken in den Golanhöhen hatte ich deutlich schneller Erfolg. Aber wie mir schließlich die Person erzählt, welche mich mitnahm gab es in den letzten Jahren einige Gewaltverbrechen beim Trampen und da die Galiläa-Provinz deutlich besser mit den Öffis vernetzt ist als die Golanhöhen scheint wohl weniger Bereitschaft vorhanden zu sein, einen Tramper mitzunehmen. Oben im Dorf gibt es beim Kiosk am Ortseingang ne Flasche Eistee und 2 Packungen Bonbons, nachdem ich mit Enttäuschung feststellen muss, dass sämtliches Eis in der Kühltruhe nicht gefroren ist. Verdammt, ich hatte mich schon extrem auf ein Magnum gefreut!

Nachdem ich mir dann für den Weg zurück zur Wasserstelle ein Auto organisiert habe, biege ich unten in den Nahal Meron ein, der im weiteren Verlauf des Tages in den Nahal Amud aufgeht. Viel hoch und runter samt Flussbettsteinen begleitet mich von nun an. Wieder muss die höchste Konzentration auf den Weg vor einen gerichtet werden und so bleibt leider wenig Möglichkeiten sich mit der Natur um einen herum zu beschäftigen. Im Nachhinein merke ich auch, dass sich dies im fast vollständigen Ausbleiben von Fotos äußert, da ich keine Lust hatte den Rucksack abzusetzen. Ich hoffe ihr verzeiht mir diese doch recht “textlastigen” Teile, ich verspreche das es spätestens bei der 2. Tour mehr als genug Fotos gibt, da habe ich geknipst wie ein Wahnsinniger. 🙂

Nach 2 Stunden komme ich bei den Sechvi Pools an, samt vielen Tagestourlern, die dort die Füße ins Wasser gehängt haben und entspannen. Hier werde ich recht schnell von einem der Ranger angesprochen, einem absoluten Original mit dem Namen “Lazer”. Ich schätze den Mann auf Ende 60, Anfang 70 mit langen weißen Haaren, einem selbstgebastelten “Patronengurt” aus PET-Flaschendeckeln, die er nutzt um zahlreich weggeworfene PET-Flaschen zurück zu den Mülleimern zu transportieren. Recht streng erklärt er mir, dass es jetzt um 15:00 Uhr für mich zu spät wäre um weiterzulaufen, das Gebiet ist ein Naturschutzgebiet, in dem sich nachts niemand aufhalten darf. Da ich aber so ungefähr weiß wo ich heute Abend campen will, zeigt er mir auf meiner GPS-Karte auf dem Handy samt Gefluche (“I am to old for this technology” 😀 ) wo ich hin muss.

Laut seiner Aussage kommt nach 45min auf der linken Bachbettseite ein blauer Wegweiser, welcher mich den Hang hinauf zu einer Campmöglichkeit bringen wird. Dieser Campingplatz liegt auf der selben Hügelkette wie die Stadt Safed (oder Hebräisch Tzefat). Leider habe ich mir diese Stadt nicht mehr angeschaut, man könnte aber sicher auch dort seine Übernachtung planen und könnte damit eine Stadt besichtigen, welche zwischen einem großen Künstlerviertel und jüdischer Gelehrsamkeit viele Widersprüche vereint. Safed war im 16. Jahrhundert DAS Zentrum für Kabbalismus.

Den Wegweiser für die Abbiegung erreiche ich bereits um 15:30 Uhr und mache erstmal eine kurze Pause, bevor der Hang in Angriff genommen wird. Dieser Weg ist richtig steil und ich ziehe mich mehr an den Stöcken hoch, als das ich den Hang erwandere 😉 . Zum Glück ist es nun einigermaßen bewölkt, ich mache trotzdem alle 10 Höhenmeter eine kurze Pause. Nach 30min erreiche ich eine kleine Ruine mit einer flachen Wiese davor. Laut den Informationen aus dem Internet soll ich hier mein Camp aufschlagen.

Weiter oben sollte es noch eine Wassermöglichkeit geben, mit Rucksack da noch weiter hin zu kraxeln hatte ich aber keine Lust. Also erstmal Zelt aufbauen und dann ohne Rucksack den Weg zum Wasser erklommen. Dieser dauert keine 5min, ich hätte also doch eher oben das Zelt aufbauen sollen. Die Wasserstelle hingegen stellte sich als eine Mikwe (ein rituelles Tauchbad für Juden) heraus, in der grad zahlreiche männliche Orthodoxe sich wuschen und beteten. Wasser kann man jedoch beim Ausfluss direkt am Tauchbad auffüllen, da ich aber noch genug für die Nacht hatte, beschloss ich das erst am Morgen zu machen um die Betenden nicht zu stören.

Als ich grade meinen Campingkocher angefeuert habe, um mir in der herannahenden Dunkelheit das Abendessen zuzubereiten, kommt noch eine einsame Gestalt aus der Dunkelheit den Weg entlanggelaufen. Wir reden kurz auf Englisch miteinander und er fragt ob es mich stören würde, wenn er neben meinem Zelt auf einer Isomatte schlafen würde. Tut es gar nicht, ich freue mich über ein wenig Gesellschaft, nachdem ich die letzten 48h nahezu allein verbracht habe. So setzt er sich mit seinem Abendessen zu mir an den Gaskocher und wir reden noch ein wenig. Lustigerweise stellen wir beide erst nach 10min Gespräch fest, dass wir beide Deutsche sind und das Gespräch von Englisch nach Deutsch verlagern. So sitze ich noch ein Stündchen mit Jonas quatschend auf einer kleinen Mauer.

Hier fällt mir jedoch erneut auf, dass mein Essensverhalten dieser Wanderung nicht förderlich sein kann. Während ich mit Mühe und Not einen 48gr “Pfanni Kartoffelsnack” runterbringe, haut sich Jonas gleich die 250gr Couscous in den Kocher.
Schon frühzeitig gehen wir ins Zelt, nachdem wir noch ein wenig einer Gruppe Schakale zugehört haben, die mit schaurig-schönen Rufen durch die Schlucht heulen. Jonas hat im Flussbett noch Bekanntschaft mit einem Wildschwein gemacht, so hoffen wir, dass diese sich heute Nacht nicht auf den Weg hier oben verirren. Frühzeitig schlafen wollen wir auch, da mich 2 vorbeiwandernde Israelis aufgeklärt haben, dass diese Ruine formal noch zum Naturschutzgebiet gehört, wir hier also vermutlich nicht campen dürften, sondern erst oben bei der Mikwe. So ist der Plan recht früh aufzustehen und das Zelt abzubauen um jeglichen Ärger mit den Rangern aus dem Weg zu gehen.

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