[Biking] – Israel 2019

[Tag 13] Eilat – Nahal Zihron

11. Dezember 2019: 95 Kilometer, 800 Höhenmeter von Eilat bis nach Nahal Zihron.

GPX-Daten

Hier die heute gefahrene Route, anschließend in Relation zur Gesamtstrecke:

Zeit in Bewegung: 5:53h
Tempodurchschnitt: ~16,2km/h
Maximalgeschwindigkeit: 65,3km/h (!!!)

Gesamtstrecke (Rot) in Relation zur heutigen Strecke (Blau)

Sonnenaufgang über Jordanien (E-M5, 30mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)
Hostel im Morgenlicht (E-M5, 14mm, f/10, 1/13sec, ISO-100)

Um 6.30 Uhr schleiche ich mit meinen Taschen aus dem Mehrbettzimmer im Hostel. Fertig gepackt auf der Terrasse, dann das Rad hergerichtet und los ging es. Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Supermarkt lasse ich zügig die Stadtgrenze hinter mir.

Wieder auf der Route 90. Diesmal gen Norden. (E-M5, 45mm, f/10, 1/80sec, ISO-100)

Und wer wartete da auf mich? Mein guter Freund, der Wind! 5 Tage lang fuhr ich auf dem Weg nach Süden gen Eilat immer gegen den Wind an. Und nun, wo es nach Norden geht? Dreht der Wind sich einfach um 180 Grad. Das übliche Radfahrer-Glück also, da hilft kein ärgern, sondern nur stoisch weiter in die Pedale zu treten.

Immer weiter!
Meine eigene Fahrspur (E-M5, 45mm, f/10, 1/160sec, ISO-100)

So ziehen sich die ersten 20 Kilometer leider ziemlich, fluchend schlage ich mich die Route 90 hoch. Dann aber kommt die Geheimwaffe Podcasts, Hörbücher und gute Musik ins Spiel und damit tritt Erleichterung ein. Erneut fahre ich am Flughafen vorbei, danach am Eingang zum Timna Park und meiner letzten Campstelle vor Eilat.

Timna Park (E-M5, 45mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)
Timna Park (E-M5, 17mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)
Mein Zeltplatz vor Timna Park, 4 Nächte her (E-M5, 41mm, f/10, 1/160sec, ISO-100)
Hatte mich einfach mitten in die Landschaft gestellt, es wird ja früh dunkel (E-M5, 14mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)

Nach 55 Kilometern biege ich schließlich von der altbekannten Route 90 ab, die mich nun 460 Kilometer lang begleitet hat und wechsle auf die Straße in Richtung Mitzpe Ramon (Route 40). Dazu muss ich jedoch zuerst das Becken/Tal verlassen, in dem das Tote Meer und der Zugang nach Eilat liegt. Und das heiβt für mich: Klettern!

Nach mehreren hundert Kilometern geht es nun runter von der Route 90 (E-M5, 45mm, f/10, 1/160sec, ISO-100)
Nächstes Ziel: Mitzpe Ramon (E-M5, 37mm, f/10, 1/125sec, ISO-100)
Doch nun geht es erstmal… (E-M5, 26mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)
… hoch! (E-M5, 14mm, f/10, 1/160sec, ISO-100)
Blick zurück nach dem ersten Anstieg (E-M5, 14mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)

Erst geht es recht idyllisch durch ein enges Sandstein-Tal, danach auf anstrengenden Serpentinen nach oben. Inzwischen zeigt sich auch die Sonne und das Thermometer schlägt in Richtung 30 Grad aus, ich zerflieβe regelrecht.

Doch da wartet auch gleich der zweite Anstieg (E-M5, 43mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)
Endlich raus aus dem Grenztal zwischen Israel und Jordanien (E-M5, 14mm, f/10, 1/400sec, ISO-100)
Blick zurück in Richtung Eilat (E-M5, 14mm, f/10, 1/400sec, ISO-100)
(E-M5, 14mm, f/10, 1/320sec, ISO-100)
(E-M5, 34mm, f/10, 1/250sec, ISO-100)

Trotzdem schaffe ich es mit mehreren Pausen ohne Absteigen und Schieben nach oben. Nach ein paar Kilometern kommt ein Kibbutz wo ich Wasser nachfüllen kann und weil es inzwischen 12 Uhr ist, nutze ich die Gelegenheit, die sich mir in Form einer Parkbank im Schatten bietet. Diese Pause habe ich mir verdient: Ich habe schließlich bereits 65km absolviert und da ich mir 5 Tage Zeit genommen habe um Tel-Aviv zu erreichen, muss ich täglich lediglich rund 80km schaffen.

Kann ein Mittagessen besser werden? (ZTE A2017G, 4.216mm, f/1.8, 1/30sec, ISO-136)
Vermutlich nicht! (ZTE A2017G, 4.216mm, f/1.8, 1/30sec, ISO-140)

Nach einer ausgiebigen Pause von knapp 2 Stunden geht es weiter.

Ich fahre nun durch einen Teil der Negev, der nahezu durchgängig militärisches Übungsgebiet ist. Und hatte ich mir in der Planungsphase eingeredet, ich werde schon irgendwie einen Hügel am Straßenrand finden, oder ein paar Bäume an denen ich campieren könnte, stellt sich das schnell als Trugschluss heraus. Die Umgebung ist hier bretteben und das Übungsgelände beginnt direkt am Rand der Straße.

Obacht jetzt! (E-M5, 33mm, f/10, 1/200sec, ISO-100)

Und im Gegensatz zu Truppenübungsplätzen die ich so kenne, besonders aus Deutschland, ist hier wirklich Action geboten. Alle paar Minuten hört man das Donnern von Artilleriegeschossen, die Druckwellen spüre ich, obwohl ich laut Musik höre.

Explosion! (E-M5, 43mm, f/10, 1/320sec, ISO-100)

An Schießständen stehen größere Gruppen Soldat*innen und man hört das Knattern von Schnellfeuergewehren.

(DSC-HX50, 48.77mm, f/6.3, 1/800sec, ISO-125)
Panzerübungen (DSC-HX50, 29.63mm, f/6.3, 1/400sec, ISO-80)

Ich komme an ganzen Übungsdörfern vorbei, durch die gerade Panzer manövrieren und den Stadtkampf üben. Verstörender Weise haben diese kleinen Dörfchen Minarette und arabischsprachige Graffiti, samt Bildern von arabischen Terroristen an den Häuserwänden. Skurril.

Trainingsgelände (DSC-HX50, 10.05mm, f/5.6, 1/800sec, ISO-80)
Samt passendem Graffiti (DSC-HX50, 56.19mm, f/6.3, 1/800sec, ISO-125)

Schnell ist mir also klar: Am Straßenrand campen, das wird heute nicht funktionieren. Auch weil die Panzer mehrheitlich nicht auf der Straße fahren (dies würde vermutlich den Asphalt zerstören), sondern direkt neben der Straße auf Schotterwegen unterwegs sind. Verständlicherweise möchte ich in der Nacht nicht von einem Panzer überrollt werden. Gut das nach 83km ein Dorf in der Karte eingezeichnet ist. Das Dorf stellt sich leider bei näherer Betrachtung als ein Aschram und Meditations-Retreat heraus. Nun, ich habe keine Wahl und gehe trotzdem mal erkunden.

Hippie-Farm (E-M5, 45mm, f/10, 1/20sec, ISO-100)

An der Rezeption findet sich leider niemand, schnell stellt sich aber auch raus, dass alle im Meditationskreis sitzen. Erst als dieser beendet ist, kommt leben in die Bude. Ich selbst bin wahrlich kein spiritueller Mensch und ich kann Meditation nicht viel abgewinnen, deswegen klingen die nächsten Zeilen vielleicht ein wenig hart:

Ich schildere meinen Wunsch, einfach irgendwo das Zelt aufzuschlagen, da ich ungern draußen von Panzern überrollt werden will. Doch in der Rezeption heiβt es dann, ich könnte nur dann bleiben, sofern ich zahle. Doch hey, dafür wären 3 Mahlzeiten täglich inklusive, ich dürfte an 2 Meditationen teilnehmen und heute wäre sogar Videoabend. Ich erkläre noch mal, dass ich kein Essen brauche, nicht meditieren will, und morgen um 6 Uhr mich wieder auf den Weg mache. Doch keine Reaktion, es gibt nur dieses eine Angebot, und das soll ganze 60 Euro kosten!

Hippie-Kram (ZTE A2017G, 4.216mm, f/1.8, 1/20sec, ISO-706)

Und ab hier wird es wirklich absurd. Dann überall im Retreat hängen Buddha-Figuren und buddhistische Weisheiten rum. Die Camp-Bewohner laufen in weltweit anerkannter Hippie-Verkleidung umeinander, Batik-Shirts, Pluderhose und vielleicht einer aus acht läuft nicht barfuß durch die Gegend. Alle sind sie ja so entspannt und reflektiert und mit sich und der Umwelt im Reinen. Als Oberknaller hängt nahe der Rezeption ein “Say no to materialism”-Schild. Antimaterialistisch denken, aber bitte für 60 Euro die Nacht und ja niemandem helfen, der nur irgendwo das Zelt aufstellen will.

Frustriert mache ich mich also weiter auf den Weg, die Camp Bewohner rufen mir noch allerlei gute Wünsche hinterher und wie “gesegnet” ich doch sei, mit dem Rad unterwegs zu sein. Nach meinem Erlebnis dort gerade eben klingt dies für mich nach blankem Hohn.

(E-M5, 45mm, f/10, 1/20sec, ISO-100)

Rückblickend würde ich heute mein Zelt einfach außerhalb des Ortszauns aufstellen nach Dunkelheit und in der Früh wieder verschwinden, doch in der damaligen Situation fühlte ich mich ziemlich ausgegrenzt und war über die freche Preisforderung so sauer, dass ich doch weiter gefahren bin. Übrigens, der Ort heißt Shitim und ich empfehle ihn weiträumig zu umfahren! Ob mit oder ohne Fluch auf den Lippen und ausgestrecktem Mittelfinger, das bleibt euch überlassen. 😉

Dann eben weiter (E-M5, 33mm, f/10, 1/50sec, ISO-100)
Mehrere solcher Schilder, bisher aber kein Glück! (E-M5, 35mm, f/10, 1/50sec, ISO-100)

Doch hier kommen zum Glück die guten Onlinekarten ins Spiel, die ich auf dem Handy zur Navigation nutze. Denn 13 Kilometer weiter entdecke ich eine Lücke im militärischen Sperrgebiet. Ich schwinge mich also aufs Rad, knappe 40 Minuten brauche ich bis dahin.

Endlich eine Unterbrechung des Übungsgeländes, samt grüner Deckung für mein Zelt (E-M5, 17mm, f/10, 1/80sec, ISO-100)

Im Nahal Zihron scheinen wohl allerlei Wanderwege (unter anderem der Israel National Trail) und Offfroad-Tracks vorbeizuführen, deswegen ist hier für etwa einen Kilometer kein militärisches Übungsgelände. Und tatsächlich, hier gibt es auch ein paar Büsche und Bäume.

(E-M5, 20mm, f/10, 1/250sec, ISO-100)
Wüstenfeeling (E-M5, 16mm, f/10, 1/25sec, ISO-100)
(E-M5, 33mm, f/10, 1/25sec, ISO-100)

Nach 96 Kilometern, also deutlich mehr als ich heute schaffen wollte, reicht mir dies auf alle Fälle aus. Schnell stelle ich mein Zelt auf, wider Erwarten halten heute im sandigen Boden auch die Heringe ziemlich gut.

Der Palast steht (E-M5, 14mm, f/7.1, 1/8sec, ISO-320)

Anschließend beobachte ich einen unglaublichen Sonnenuntergang, der Himmel sieht aus, als bestünde er aus flüssiger Lava. Ich fotografiere und glotze mir die Augen aus dem Kopf.

(E-M5, 14mm, f/8, 1/100sec, ISO-400)
Feuersbrunst! (E-M5, 45mm, f/8, 1/50sec, ISO-400)

Dies ist für mich pure Erholung und eins sein mit der Natur, da kann mir ein 60 Euro Aschram echt gestohlen bleiben.

Kurze Zeit nach dem Abendessen kommt mich noch ein völlig furchtloser Fuchs besuchen, der meine übrig gelassenen Nudeln im Gebüsch ergattert, anschließend noch ein paar Mal ums Zelt stromerte und dann in die Dunkelheit verschwand. Von meiner Anwesenheit ließ er sich nicht im Geringsten beeindrucken, selbst wenn stellenweise nur noch ein Meter Abstand zwischen uns bestand.

Der nächtliche Besucher in der Ferne (DSC-HX50, 25.28mm, f/6.3, 1/60sec, ISO-1600)
Ob das Fahrrad schmecken könnte? (DSC-HX50, 34.46mm, f/6.3, 1/60sec, ISO-1600)
(DSC-HX50, 12.41mm, f/5, 1/15sec, ISO-1600)
Keine Berührungsängste (ZTE A2017G, 4.216mm, f/1.8, 1/13sec, ISO-2212)
(ZTE A2017G, 4.216mm, f/1.8, 1/20sec, ISO-1633)

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