Nun, was bleibt mir zum Abschluss der Reise noch zu berichten?

Der erste Tag, am Strand von Tel Aviv.

Es war ein fantastischer Urlaub! Ich bin der Kälte in Deutschland entflohen, konnte nochmal eine richtige Radreise vor Jahresende absolvieren. Verglichen mit meiner Tour durch den Pamir war minimaler Planungsaufwand notwendig und es hat trotzdem (fast) alles geklappt.

In den Ruinen Tel-Meggidos
Ausgrabungsstätte Tel Susita

Für mich war es neu jeden Tag eine „Aktivität“ zusätzlich zum Radfahren zu absolvieren: Die vielen Besuche von Ausgrabungsstätten und Nationalparks oder der kurze Sprung ins Meer sorgte für gelungene Abwechslung. Es ist was anderes als jeden Tag stur auf der Straße zu verbringen. Da bietet sich Israel auch einfach an, wo sonst kann man auf so dichtem Raum so viele Ausgrabungsstätten besuchen?

Blick über den See Genezareth von Alons Balkon
Ankunft am Toten Meer

Dadurch dass Israel so klein ist, kann man viel vom Land in relativ kurzer Zeit sehen. Knappe 2,5 Wochen haben für eine Radreise einmal durch (/um) den kompletten Staat gereicht. Man hat also nicht das Gefühl nur einen verschwindend kleinen Teil des Landes gesehen zu haben. Auch ist Israel unfassbar abwechslungsreich, was Vegetationszonen und Klimazonen angeht. Berglandschaft rund um Safed und die Golanhöhen, touristische Großstädte am Mittelmeer, Wüstenlandschaft in der Negev, Landwirtschaft in Nähe des Gazastreifens, langweilig wurde es nie.

Wildzelten in der Wüste

Zwei Nachteile hatte diese Tour: Erstens ist Israel nicht das fahrradfreundlichste Land, sofern man nicht bereit ist auf Landstraßen unterwegs zu sein. Dadurch, dass das Land so klein ist, gibt es selten eine alternative Route zu einem Ziel, man muss sich eben auf die Landstraße begeben. Die Radinfrastruktur außerhalb der Ballungszentren an der Küste ist nahezu nicht vorhanden. Dafür hat man aber breite Seitenstreifen und auf dem Golan oder später am Toten Meer und in der Negev-Wüste ist das Verkehrsaufkommen auch mehr als erträglich. Auch die restliche Infrastruktur ist einwandfrei, es vergeht kein Tag ohne Einkaufsmöglichkeiten und bei Bedarf einem Hotel. Radgeschäfte findet man in den größeren Städten, ebenso gibt es einen effizienten Personenverkehr durch Busse, sollte das Rad doch irgendwann Schäden aufweisen.

Im Timna Nationalpark

Zweitens ist eine Radtour auf der Nordhalbkugel im Dezember ein waghalsiges Unterfangen. Ich hatte wirklich unglaubliches Wetterglück und bin mehrheitlich bei Sonnenschein und Temperaturen über 20°C durch die Gegend gefahren. Doch nur wenige Wochen nach meiner Rückkehr wurde Israel von schlimmen Stürmen gebeutelt und mehrere Menschen sind gestorben, teilweise weil sie auf Wanderungen von Flüssen fortgerissen wurden, in Sturzfluten und auch städtische Überschwemmungen gerieten. Winter in Israel ist also Wettermäßig ein Glücksspiel. Negativ für mich wirkte sich der frühe Sonnenuntergang aus. Von meinen langen Touren ans Nordkapp (Mitternachtssonne) und auf dem Pamir (auch da bis 22 Uhr hell) war ich es nicht gewöhnt, durch die Sonnenlichtstunden gehetzt zu werden. Aber um spätestens 16 Uhr musste die Übernachtungsmöglichkeit zumindest anvisiert sein, weil ab 17 Uhr war es dann auch dunkel. Normalerweise fahre ich auf Tour erst gegen 10 Uhr los, diesmal musste ich mich umstellen. Teilweise saß ich um 7, einige wenige Male sogar noch früher auf dem Drahtesel, einfach um genug Sonnenstunden zu haben, um Strecke zu machen. Verbunden mit den Zusatzaktivitäten wurde es manchmal etwas knapp. Ich hatte an einigen Tagen noch Energie übrig und hätte weiter fahren können, es war aber absehbar, dass ich dann im Dunkeln fahren würde. Dieses Problem kann ich aber nun wirklich Israel nicht als Reiseland anheften und es war mir ja auch im Vorhinein bewusst. 😉

Panorama Rotes Meer, Jordanien und Saudi-Arabien, Berg nahe Eilat (Klick vergrößert das Panorama)

Insgesamt habe ich auf der Tour 1240 Kilometer zurückgelegt und 14,5 Tage im Sattel verbracht.

Und sollte sich jemand für die Kosten interessieren:
Israel ist kein günstiges Land, besonders was Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche angeht. Im Supermarkt sind die Preise ähnlich zu Deutschland, vielleicht ein paar Prozentpunkte teurer. Wildcamping war (außer in militärischen Sperrzonen) absolut unproblematisch, Campingplätze selber sind auch bezahlbar und auf deutschem Niveau.

Mein Flug mit Ryanair habe ich knapp einen Monat vor Abflug gekauft. Inklusive großem Handgepäck, einem Abgabegepäckstück und Radmitnahme habe ich 235€ bezahlt.

Im Land selber habe ich in 3 Wochen 580€ ausgeben.
Darin sind aber eine Simkarte (25€) und sieben Übernachtungen (190€, 2x Zelten, 5x Hostel) enthalten. Obwohl ähnlich lange wie mein Pamir-Urlaub hat somit mein Aufenthalt in Israel samt Flug weniger gekostet als die Flüge nach Tadschikistan.

Am Strand in Nitzam

Somit möchte ich nun zum Ende dieser Reise kommen: Ich kann jedem einen Trip in dieses faszinierende Land empfehlen. Macht euch selbst ein Eindruck, fernab der üblichen Berichterstattung in Deutschland und schaut euch das Land in seinen zahlreichen Facetten an. Ich hatte eine tolle Tour und habe mich sehr gefreut die Reise jetzt noch mal durch die Erstellung der Blogeinträge nacherleben zu können.

In diesem Sinne: Bis zur nächsten Reise, Kette rechts und immer genug Luft im Reifen.
Danke dass ihr virtuell mitgekommen seid!

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